Die OP – Endlich…

Nach Abschluss der Chemotherapie hatte ich erst einmal 3 Wochen Zeit mich zu erholen. Überraschenderweise ging das auch recht schnell. Die Polyneuropathien in den Fingern und Füßen waren zwar hartnäckig aber nicht mehr ansatzweise so stark wie während Taxol. Ich konnte mich also vollkommen auf mich selbst und den Sport konzentrieren. Schließlich hatte ich dank Kortison mal locker 10kg wieder zugenommen und fühlte mich insgesamt ziemlich schwammig und steif. In diesen 3 Wochen konnte ich 2x in der Woche trainieren, zwar immer noch mehr Kraft- als Ausdauertraining aber ganz langsam haben wir kleine Laufstrecken eingebaut und ich musste auch nicht mehr so oft die Beine in die Luft strecken. Es lief also ganz gut.

Ende Juli war es dann soweit. Da ich ja schon eine Woche wegen meiner Erkältung auf der Station lag und ich viele Schwestern auch von der Chemotherapie kannte, war das irgendwie nicht ganz so aufregend für mich. Naja zumindest wusste ich mich gut versorgt und habe mich auch soweit wohl gefühlt. Aufgeregt war ich natürlich schon. Aber das ist bestimmt jeder vor einer OP, da muss es gar nicht unbedingt ein Tumor sein, der da entfernt werden soll.

Die OP war dann aber schnell vorbei und ich habe mich im Aufwachraum wiedergefunden. Als ich wach wurde, hatte ich unglaublichen Durst und war fasziniert davon, dass ich doch grad eben noch von meinem Krankenbett auf den OP-Tisch krabbeln durfte. Die Schwester bestätigte mir lachend, dass ich es wirklich geschafft hatte und nach kurzer Zeit war ich soweit fit und wurde wieder auf mein Zimmer geschoben. Gefühlte 5 Minuten später stand dann auch schon meine Ärztin samt halber Belegschaft vor mir um sich alles noch einmal anzuschauen und mir die gute Nachricht zu überbringen, dass sie jetzt keine bösartigen Zellen mehr gesehen hätte und soweit alles gut gelaufen ist, aber man müsse natürlich noch den abschließenden pathologischen Befund abwarten. Der wurde mir dann für 2-3 Tage später angekündigt und es wurde untereinander darüber gefachsimpelt wie schön meine Narbe geworden ist. Ich selbst konnte mich in dem Moment nicht davon überzeugen, weil ich mich irgendwie nicht so recht bewegen konnte und sich meine komplette linke Seite ziemlich taub anfühlte. Fürs Erste war ich aber überglücklich und ganz zufrieden mit der Welt. Mag sein, dass hier auch die Narkose und die Schmerzmittel geholfen haben, aber am Abend saß ich schon wieder ganz munter im Bett und habe mich über Besuch gefreut.

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Die 2 Schläuche die noch in mir drin steckten, damit das Wundwasser abfließen konnte, haben mich auch nur so semi gestört. Schön ist das nicht, aber schlimm eigentlich auch nicht. Duschen wollte ich ganz gerne mal, aber naja darauf musste ich noch einige Tage warten. Nach 2 Tagen sollte erst einmal ein Schlauch gezogen werden und das war dann auch gar nicht so schlimm sondern eher ein befreiendes Gefühl. Den anderen Schlauch musste ich samt Beutel für ein paar Tage mit nach Hause nehmen und damit habe ich den Mann fast in den Wahnsinn getrieben weil ich überall hängen geblieben bin und mir das Ding somit fast selbst gezogen habe. Er war entsprechend froh als der Schlauch dann endlich auch raus konnte und damit verbunden war dann auch die offizielle Nachricht, dass weder in den Lymphknoten (es wurden insgesamt 12 entfernt) noch in dem entnommenen Gewebe aus der Brust, Tumorzellen gefunden wurden. Besser hätte es gar nicht laufen können, so hatten sich die Schmerzen, die Wut und meine Tränen doch gelohnt! Komplettremission! Yiihaaa!

Für mich war ganz klar, dass es ab jetzt nur noch aufwärts gehen kann. Tja absurderweise sollte ich mich hier ganz schön irren, aber das weiß man ja zum Glück vorher nicht.

In den Wochen nach der OP bin ich meinen Mitmenschen wohl ziemlich damit auf die Nerven gegangen, dass meine Geduld mittlerweile nicht mehr vorhanden war und mir meine Genesung viel zu langsam voranging. Meine Physiotherapeutin war ganz verdutzt als ich ihr nach 2 Wochen mein Leid klagte und meinte, dass ich meinen Arm nicht ganz heben könnte, was sehr problematisch wäre, weil ich doch in 4 Wochen an dem Muddy Angel Run in Köln teilnehmen wollte. Wahrscheinlich hat sie mich für völlig verrückt erklärt, aber sie war so nett und hat mich getaped und mit mir Übungen gemacht, damit mein Arm schnell wieder fit wird. Überhaupt hat das alles für mich viel zu lange gedauert und schnell konnte ich die guten Ratschläge, ich möge doch bitte mehr Geduld mit mir haben, nicht mehr hören. Allen war klar, dass man nach so einer OP inkl. Chemotherapie eine gewisse Genesungszeit benötigt, nur mir nicht und es hat auch noch sehr lange gedauert, bis ich meinem Körper endlich seine wohlverdiente Ruhe gegönnt habe aber erstmal kam der Muddy Angel und was war das für ein Fest. Mit stolz geschwellter Brust und einem großen „Survivor“ hinten auf meinem Shirt habe ich mich mit meinen Freundinnen in den Matsch geschmissen. Ein ganz großer Spaß!

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