Die Kraft des Lachens

Ein guter Freund hat mich letztens auf meine Fotos, die ich während meiner Krankheit auf Facebook hochgeladen habe, angesprochen. Ihm wäre aufgefallen, dass ich auf allen Fotos lachen würde, aber ihn interessiere, ob ich mich auch wirklich so gefühlt hätte. Sein Eindruck sei gewesen, dass das Lachen manchmal etwas gezwungen wirkte. Hmm gute Frage?!

Wenn ich mir heute diese Fotos anschaue, sehe ich sofort was er meint. Mein Lachen wirkt meist sehr gekünstelt. Tatsächlich habe ich mich aber in all den Situationen wirklich gut gefühlt, sonst hätte ich die Fotos und die dazugehörigen Nachrichten ja nicht hochgeladen. Da unterscheide ich mich auch nicht von allen anderen, auch ich möchte möglichst gut aussehen dabei und in dieser Zeit ging einfach nicht mehr und doch kann ich rückblickend sagen, dass ich recht viel gelacht habe. Lachen war ja eben sogar wahnsinnig wichtig für mich und das Grandiose ist, sogar ein künstliches Lachen, schüttet Glücksgefühle aus. Welch großartige Sache oder? Ich habe also quasi irgendwie um mein Leben gelacht. Natürlich ist mir das mal mehr und mal weniger gut gelungen aber ich war immer sehr dankbar, wenn mich meine Mitmenschen hierbei unterstützt haben und nicht sofort auf „Trauermodus“ umgestellt haben. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Lachen unheimlich wichtig ist, in der Krebstherapie. Klingt komisch, aber ich habe mich immer gut gefühlt, wenn Menschen mit mir gelacht haben auch wenn eigentlich gar kein Grund dazu bestand.

In dem Krankenhaus wo ich die Chemotherapie bekommen habe und operiert wurde, arbeitete eine Krankenschwester, die es mir besonders angetan hatte. Sie war schon ne echte Kölsche und hat einfach das ausgesprochen was ihr grad durch den Kopf ging, ohne Rücksicht auf mich und meine Situation, was so unglaublich heilsam und angenehm für mich war.

Als ich mit meiner Erkältung im Krankenhaus lag, musste ich diverse Male Ärzten meine Zunge entgegenstrecken und wie es nun mal so ist, wenn man einen Infekt hat… die Zunge sieht nicht schön aus. Man sieht sie selbst ja nicht wirklich, aber man ahnt was da im Mund los ist und so war die Aufforderung „Strecken Sie mal bitte Ihre Zunge raus!“ nicht unbedingt das, was ich mehrmals am Tag hören wollte, zumal ich mit weit über 39 Grad Fieber auch echt kurz vor dem Selbstmitleidssumpf war und eigentlich ohnehin nur schlafen wollte. An so einem Tag stand eben diese Krankenschwester neugierig neben dem jungen Assistenzarzt, der irgendwie auch auf einem Surfbrett hätte stehen können, an meinem Bett und als ich der Aufforderung nachkam, guckte sie schockiert auf meine Zunge und meinte „Ah fies, das ist mal ein ordentlicher Infekt. Bitte nicht anhusten! Ich bin dann mal fott!“ Im ersten Moment habe ich wieder einmal ziemlich blöd geguckt, aber dann musste ich laut lachen. Auf ihre Art hat sie mir in dem Moment das Lustige an der ganzen Situation aufgezeigt und ganz langsam dümpelte ich wieder weg von meinem kleinen Sumpf.

An dem Tag als ich operiert wurde, hatte sie auch Dienst und hat mich sowie meine Zimmernachbarin morgens früh in Empfang genommen. Meine Bettnachbarin hatte nichts mit Krebs am Hut und wurde aus anderen Gründen operiert. Ihre Mutter war nervöser als die junge Frau selbst und hat die Stimmung entsprechend kribbelig gemacht. Als ich mich grad in dieses wunderhübsche OP-Kleidchen geschmissen hatte, ging die Tür auf und besagte Schwester kam reingesaust mit der Info „Ich muss mal eben gucken, ob Sie beide sich auch brav die Achseln rasiert haben.“ Im nächsten Moment schaute sie mich an und meinte „Blödsinn, Sie muss ich ja gar nicht fragen.“ Der armen Mutter sind vor Schreck fast alle Haare vom Kopf gefallen und das junge Mädchen guckte mich verdutzt an. Ja was soll ich sagen, Recht hatte sie. Meinen Rasierer hatte ich seit Monaten nicht mehr anfassen müssen und da auf meinem Kopf nur ein sanfter Flaum zu sehen war, hatte sie nur das Offensichtliche ausgesprochen. Einfach so, ohne darüber nachzudenken und mir damit wieder einmal ein Lachen aufs Gesicht gezaubert. Humor ist wenn man trotzdem lacht oder wie war das noch?

Louis de Funes hat es sehr schön auf den Punkt gebracht: „Lachen ist für die Seele dasselbe, wie Sauerstoff für die Lungen!“ Dem kann ich mich nur aus vollem Herzen anschließen. Lachen hilft. Immer. Auch wenn es nur aufgesetzt ist und man sich dazu zwingen muss, es hilft ganz sicher. Wenn das Leben also mal wieder so richtig traurig und schwer ist, lache und behalte die Erinnerung an dieses Lachen tief in Deinem Herzen! Tue Dinge, die Dich zum lächeln bringen. In meinem Fall war das der Sport und der ist ja grundsätzlich auch ganz gut für die Glücksgefühle, aber eigentlich ist es egal was es ist, Hauptsache es zaubert Dir ein Lachen ins Gesicht!

2 Gedanken zu “Die Kraft des Lachens

  1. Randy

    Danke Kathrin. Einmal mehr bewundernswert, wie du auch im Rückspiegel diese schwere, unfassbar bedrohliche Zeit betrachtest und uns teilhaben lässt.
    Für mich ist das sehr wertvoll.
    Im Rahmen meiner Arbeit habe ich ein, zwei mal junge Leute betreut, die in einer weniger ernsten, für Sie aber besonders psychisch extrem belasteten gesundheitlichen Situation waren. Nicht nur für sie, auch für mich wären deine Beiträge und Selbstreflexionen sicher wertvoll gewesen.
    Es kommt die Zeit, da werde ich mich daran erinnern und da wirst du, ob du willst oder nicht mir und anderen ein Beispiel geben…

    Danke. 💪🏻😉👍

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