Kopf oder Herz – Wer trifft die besseren Entscheidungen?

Die großen Entscheidungen in meinem Leben habe ich fast immer mit dem Kopf getroffen. Der sichere und vernünftige Weg sollte es sein, so haben es mir meine Eltern beigebracht. Bloß kein Risiko eingehen und meine Flausen sollte ich mir schon recht früh verkneifen. Sicher ist sicher. Klingt jetzt erstmal gar nicht so schlimm oder? Dachte ich ehrlich gesagt auch die ganze Zeit aber 2016 hat mich da irgendwie umdenken lassen. Auf einmal hatte ich genug von den vermeintlich vernünftigen Entscheidungen. Zumal ich auch nicht das Gefühl hatte, dass sie mich wirklich glücklich machten. Ich war immer auf der Suche nach dem großen Etwas. Immer war ich schon 2 Schritte weiter mit meinen Gedanken, machte große Pläne anstatt einfach mal im Hier und Jetzt zu sein. Um ehrlich zu sein habe ich das mit dem Hier und Jetzt gar nicht wirklich verstanden. Selbst während der Krebstherapie war ich immer einen Schritt weiter und z.B. schon wieder halb im Büro obwohl ich die Bestrahlung noch nicht abgeschlossen hatte. Nach vorne schauen ist ja grundsätzlich keine schlechte Sache, solange man auch die Geduld für die jeweilige Situation aufbringt und hieran scheiterte es bei mir immer wieder. Geduld? Für mich?

Nach meiner Krankheit und der Depression im Anschluss habe ich beschlossen, dass ich etwas ändern müsste. Meine Kopfentscheidungen hatten mich an diesen Punkt gebracht und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich ganz verwegen meine Entscheidungen nun mit meinem Herzen treffen möchte. Schließlich hat es auch mal eine Chance verdient und bisher war ich mit den wenigen Entscheidungen, die ich mit dem Herzen getroffen hatte, auch immer gut gefahren. Natürlich ist das nicht ganz so einfach, gelernt ist eben gelernt und viele in meinem Umfeld macht das auch auf ne schräge Art nervös und sie geben mir liebe und gutgemeinte Ratschläge wie ich wieder auf den vernünftigen Weg komme. Die meisten Menschen handeln heute nicht mehr aus dem Bauch heraus und hören nicht mehr auf ihr Herz. Wir sind so erzogen worden, dass Sicherheit und Vernunft vor Freiheit und Glück geht. Aber wieso ist das so? Wieso möchten wir für alles immer eine Sicherheit haben? Dabei gibt es diese vermeintliche Sicherheit doch gar nicht, wie mir mein Tumor so eindrucksvoll gezeigt hat. Auf einmal war sie nämlich weg – die Sicherheit, kein doppelter Boden, kein Netz, nichts, nur die Angst zu sterben. Selbst meine privaten Rentenversicherungen haben mir nicht geholfen und gerade die sollten doch so wichtig sein. Was habe ich ein Gekreische gehört, als ich vor Jahren mal im Nebensatz erwähnt habe, dass ich überlege eine dieser Versicherungen zu kündigen um mit dem Geld einen Winter mit Schlittenhunden am Polarkreis zu finanzieren. Auch damals habe ich auf meinem Kopf gehört und bin auf „Nummer Sicher“ gegangen. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mir während der Chemo gelegentlich die Frage gestellt, ob es nicht schon cooler gewesen wäre, wenn ich da auf mein Herz gehört hätte. Meine Oma hat ja ganz gern mal mit klugen Ratschlägen um sich geworfen und dazu gehörte auch „Käthchen, Du bereust nur die Dinge, die Du nicht getan hast!“ Hmm was soll ich sagen, genau so war es letztes Jahr!

2016 hat mich also gelehrt, dass es keine Sicherheit gibt für die wichtigen Dinge im Leben! Also habe ich für mich jetzt einfach mal beschlossen, dass ich alles gebe um das zu tun was mich glücklich macht ohne Kompromisse, einfach so. Schließlich bin ich auch diejenige die mit der Angst leben muss, dass der Krebs doch irgendwann wiederkommt, das nimmt mir auch keiner ab. Auch wenn ich die Angst mittlerweile ja echt gut kenne und sie meistens im Griff habe, aber so falle ich natürlich auch gelegentlich in meine alten Muster zurück. Meistens gibt es hier irgendwelche Auslöser und ganz weit vorn ist das unerbittliche Piepen in meinen Ohren, das meistens leise und dann auf einmal wieder echt laut ist. Wenn es mir doch einfach sagen würde, was es mir mitteilen möchte! Ein paar Tage halte ich das mittlerweile sogar ganz gut aus aber irgendwann kommt dann der Punkt wo es Zuviel ist und mir auf einmal wieder kleine Dinge das Gefühl geben, dass der Weg zu weit, zu steinig und zu schwer ist. Aber zum Glück habe ich gelernt, dass mich solche Phasen nicht mehr ganz so aus dem Leben schmeißen und ich meinen Weg im Blick behalte. Ein paar Tricks helfen mir dabei, bei mir selbst zu bleiben und irgendwie wäre es ja auch echt komisch, wenn man mal eben so über Nacht sein Leben ändern kann ohne gelegentlich kleine Herausforderungen in Kauf zu nehmen. Die gehören halte eben dazu, genauso wie Krisen ja auch zum Leben gehören. Als ich hierüber letztens mit einer Freundin gesprochen habe, meinte sie „Entwicklung geht immer vorwärts!“ Welch schöner wahrer Satz, es geht nur halt nicht von heute auf morgen und es gibt immer wieder kleine Herausforderungen aber es geht immer nach vorn. Also traut Euch mutig zu sein und sagt Ja zu Eurem Herzen, das weiß am besten wo es hingehen soll. In diesem Sinne: Was mich nicht glücklich macht – kann weg!

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