Enjoy the little things – und wenn da keine sind, mach Dir welche!

In meinem letzten Beitrag habe ich ja erwähnt, dass ich kleine Tricks habe, die mich aufheitern oder mir helfen meinen Weg bzw. mein Herz nicht aus den Augen zu verlieren. Leider passiert das mitunter mal. Hierfür gibt es viele Gründe, die Tagesform kann einen da ganz schön ärgern oder aber ein unangenehmes Schreiben in der Post, Menschen die mich bremsen und mir wieder erklären wie wichtig es ist den vernünftigen Weg zu gehen.

Allerdings hat mir hier der Krebs etwas echt Wichtiges beigebracht. Wenn man gewisse Dinge nicht fühlt, dann „verarsch“ Dich erstmal selbst. Das klingt jetzt im ersten Moment bestimmt sehr seltsam aber ich versuche es mal am Beispiel meiner ausfallenden Haare im letzten Jahr zu erklären. Zwar haben die mich zunächst jetzt einmal nicht so sehr belastet aber schön, ist definitiv auch anders. Damit ich aber nicht jeden Morgen als erstes im Spiegel meine Glatze sehe, habe ich mir nebens Bett eine meiner Mützen gelegt und diese sofort aufgezogen sobald ich wach geworden bin. Abgesehen von der muckeligen Wärme, konnte ich so auch ganz entspannt ins Bad gehen und dort in den Spiegel schauen ohne direkt wieder rückwärts rauszuspringen. Auf dem Spiegel selbst, habe ich noch einen gelben Smiley geklebt, damit ich auch möglichst mal kurz eben grinsen muss. Gut, das hat auch nicht immer funktioniert aber irgendwie doch schon ganz schön oft. Und zumindest der erste kurze Blick in den Spiegel war nicht sofort von dieser Traurigkeit überschwemmt. Versteht mich nicht falsch, Traurigkeit ist auch nur ein Gefühl welches gespürt werden möchte und man kann und sollte sie nicht verdrängen. Aber ich glaube grad in so einer extrem belastenden Situation sollte man versuchen sich eben dieser nicht ganz so ausgiebig hinzugeben oder eben sich kleine Hilfsmittel bauen, damit man auch gelegentlich mal Lächeln kann. Ich hatte ja erwähnt, dass ich Lachen für echt wichtig halte oder? 😊

Einige von diesen Tricks oder Hilfsmitteln habe ich fest in mein Leben integriert, andere habe ich wiederentdeckt oder ganz neu aufgenommen. Einer meiner wichtigsten und sichersten gute Laune Lieferanten ist der Sport. Für mich gibt es tatsächlich nichts Schöneres als bis auf die Unterhose durchgeschwitzt aus dem Park nach Hause zu kommen. Und das wirklich verrückte ist, wenn ich so nach Hause komme, dann piept mein Ohr für eine gewisse Zeit nicht. Kein Ton, nur herrliche Stille! Gut, das hält nicht ewig aber zumindest kurzfristig kann ich die Stille genießen und mir bewusst machen, dass mein Kopf hier das „Problem“ ist und nicht mein Körper oder gar eine wiederkehrende schlimme Krankheit. Diese kurzen Momente sind für mich echt wichtig und ich merke sofort wenn ich mal wieder geschludert habe und der Zeitraum zwischen meinen Einheiten zu lang ist.

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Das mit dem Sport war vor dem Krebs so, währenddessen und juhu es ist auch nach dem Krebs so! Auch wenn ich manchmal viel zu ungeduldig bin, weil meine Kondition nicht so schnell wieder da ist, wie ich es gern hätte. Aber es muss gar nicht immer Bewegung oder Sport sein, manchmal reichen die kleinen Dinge. Musik und singen oder auch gerne tanzen, sind so wunderbare Sachen, die einfach gute Laune machen müssen. Ganz ehrlich, kein Mensch kann den Jackson 5 widerstehen und das ist nun wirklich nicht meine bevorzugte Musikrichtung aber irgendwie puh man, da muss ich einfach mit. Während meiner Krankheit liefen manche Songs bei mir in der Dauerschleife. „Three little birds“ von Bob Marley gehörte dazu. Nicht weil ich mich dem hemmungslosen Drogenkonsum hingegeben habe, sondern weil mir der Text eine gewisse Ruhe gab und ich mich daran festhalten konnte, dass schon alles wieder werden wird. Hierum geht es ja quasi in dem Song. (Für alle, die hier nicht ganz textsicher sind: Don’t worry about a thing, ‚Cause every little thing gonna be alright) Gute Laune habe ich hierdurch nicht immer bekommen, aber manchmal reicht es auch schon, wenn man sich eben festhalten kann. Wenn z.B. meine Schmerzen zu stark waren, habe ich mir immer wieder gesagt (gesungen habe ich hier dann nicht mehr) „Was mir weh tut, tut auch dem Tumor weh!“ Natürlich waren die Schmerzen dann nicht weg, aber der Gedanke hat mir geholfen sie besser annehmen zu können. Schließlich wollte ich ja dem Tumor weh tun.

Ich habe früher schon gern gesungen, war da aber immer eher schüchtern unterwegs und habe das mit voll aufgedrehter Anlage in meinem Zimmer zelebriert, wenn niemand zu Hause war. Später dann im Auto und ich bin heute so dankbar, dass es damals noch keine Smartphones gab. Auf YouTube möchte ich mich nicht sehen, wie ich an der Ampel stehe und meinen momentanen Lieblingssong gröle. Als Fan lauter Gitarrenmusik ist das nicht immer schön was da so rauskommt.

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Meine Stimme ist jetzt auch höchstens im Mittelfeld unterwegs, so dass sich das wahrscheinlich auch nicht nur schön anhört. Heute sperre ich mich aber nicht mehr ein, sondern singe unter der Dusche, egal ob der Mann da ist oder nicht und ganz verwegen mit meinen Yin-Yoga-Mädels im Kreis. Irgendwie hat der Krebs auch hier was mitgenommen, aber wenn ich ehrlich bin, finde ich es gar nicht so schlimm, dass mir etwas von meiner alten Schüchternheit oder Scham fehlt. Die habe ich ihm echt gerne mitgegeben und eigentlich bin ich auch ganz gespannt, was da noch so alles zutage kommt. Yin-Yoga z.B. ist ganz klar auch so eine Sache, die ich für mich entdeckt habe und auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Dicht gefolgt von Meditation. Nichts erdet mich so sehr und bringt mich zurück zu mir selbst wie auf dem Boden zu liegen und den Trommeln zu lauschen. Da ich das recht neu für mich entdeckt habe, klappt das auch nicht immer, aber ich übe ja noch und so ist es mit allem. Es ist nichts Schlimmeres daran, wenn man sich gewisse Tricks einfallen lässt um sich selbst gelegentlich etwas vorzugaukeln. Manchmal ist das Leben einfach dunkel und traurig und damit man da nicht versinkt, hilft nur ein künstliches Lachen. Irgendwann ist man an dem Punkt, wo man die Flunkereien loslassen kann, weil man sie nicht mehr braucht. Als Kinder haben wir die Gedichte ja auch nicht sofort auswendig gekonnt. Strophe für Strophe mussten wir sie lernen und wieso genau sollte das jetzt anders sein?! Traut Euch einfach mal neue Dinge auszuprobieren und habt Spaß. Wer weiß, vielleicht machen sie Euch ja glücklich!

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2 Gedanken zu “Enjoy the little things – und wenn da keine sind, mach Dir welche!

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