Die Angst – Ignoranz ist auch keine Lösung

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich viel mit dem Thema Angst beschäftigt. Grundsätzlich hat ja auch die Angst wie alle Gefühle ihre Berechtigung und möchte zunächst einmal wahrgenommen und gefühlt werden. Wir haben ihr erst diese negative Eigenschaft auferlegt. Für unsere Vorfahren war sie sogar ein sehr gutes und wichtiges Gefühl. Ohne Angst, hätten sie den Säbelzahntiger vielleicht nicht schnell genug bemerkt und wären direkt in ihr Verderben gelaufen. Aber es gibt einen großen Unterschied dazwischen Angst bewusst zu fühlen, wahrzunehmen und wieder loszulassen und sein Leben und sein Handeln von ihr bestimmen zu lassen. In meinem Leben gab es irgendwie immer recht viel Angst ohne dass ich es wirklich bemerkt habe. Viele Entscheidungen habe ich getroffen, weil ich Angst vor den Konsequenzen und Reaktionen meiner Mitmenschen hatte. Bewusst war mir das nie, bis ich dann einen handfesten Grund hatte wirklich Angst zu haben und sie mich von da an erst einmal nicht mehr losgelassen hat. Auch dann nicht als ich wieder gesund war und eigentlich alles gut sein sollte. Heute versuche ich meine Entscheidungen ganz bewusst eben nicht aus Angst zu treffen. Was mir mal mehr und mal weniger gut gelingt. Schließlich möchte ich auch nicht allen Menschen in meinem Umkreis vor den Kopf stoßen. Aber die meisten akzeptieren, dass ich gewisse Dinge auf einmal anders mache. Früher habe ich immer gedacht, dass man ganz viele Gemeinsamkeiten haben muss in einer Freundschaft oder auch Partnerschaft. Heute empfinde ich die Dinge, die uns unterscheiden als viel spannender. Von ihnen können wir lernen und uns weiterentwickeln und eben neue unbekannte Erfahrungen machen. Wenn wir uns nur darauf einlassen und die Angst neue Wege zu gehen, für einen Moment zur Seite schieben.

Aber es gibt natürlich auch andere Ängste, die sich nicht so einfach wegschieben lassen. Die Angst vor dem eigenen Tod, die auf einmal wie ein ungebetener Gast an meine Tür geklopft hat. Dieses ungute kalte Gefühl in der Magengegend, auf einmal war es da und jedes Mal, wenn ich es spürte hat es wieder etwas mehr von meinem Ich verschluckt. Zunächst habe ich es gar nicht wirklich gemerkt. Schließlich hatte ich Brustkrebs, da darf man ja ruhig mal Angst haben und mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert zu werden, ist schon eine ganz eigene Herausforderung. Natürlich war auch mir bewusst, dass ich irgendwann mal sterben werde. Aber normalerweise liegt hier die Betonung eher auf IRGENDWANN. Der eigene Tod ist meist nur schwer vorstellbar, überhaupt ist es nicht schick über den Tod und die Angst davor zu sprechen. Es ist viel einfacher den Kopf in den Sand zu stecken. Als Kinder glauben wir, dass wir unsichtbar sind, wenn wir die Augen schließen. Eigentlich sollten wir als Erwachsene doch wissen, dass es eben nicht so ist. Aber was den Tod angeht, leben wir alle ganz getreu dem Motto “Was ich nicht sehe, gibt es auch nicht!” Verrückt oder?

Kurz nachdem meine Mutter im Jahr 2008 gestorben ist, habe ich das erste Mal wahrgenommen, was genau das Sterben eines Menschen in unseren Mitmenschen für schräge Verhaltensweisen hervorruft. Mir ist es passiert, dass eine Nachbarin mich im Supermarkt gesehen und vor Schreck erst einmal die Richtung gewechselt hat. Die unterbewusste Angst vor dem eigenen Tod und die Hilflosigkeit mir ihr Mitgefühl auszudrücken, hat sie wohl dazu gebracht. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass es mir nicht anders ging. Als meine Tante einige Jahre zuvor verstorben ist, stand ich selbst sehr hilflos vor meinem Cousin und wusste nicht was ich sagen sollte. Ich hatte das Gefühl, dass ihn ohnehin meine Worte nicht trösten können, schließlich war seine Mutter soeben gestorben. Jahre später, als ich dann selbst in dieser Situation war, habe ich verstanden, dass es überhaupt gar nicht um schlaue Worte oder das Gefühl des Trosts an sich geht. Es ist vielmehr einfach das Gefühl, dass die eigene Trauer gesehen und verstanden wird. Schließlich haben wir alle schon einmal liebe Menschen verloren. Wir wissen wie es sich anfühlt, aber doch stammeln wir in solchen Situationen merkwürdig hölzern durch die Gegend, gucken beschämt zu Boden und wechseln die Richtung um nicht in die Bredouille zu kommen unser Mitgefühl ausdrücken zu müssen. Wir schließen die Augen und sehen die Tragödie einfach nicht und dabei wollen diesen Tragödien doch einfach nur ihren Tribut gezollt bekommen.

Wieso ist das so? Wäre es nicht viel einfacher, wenn wir ehrlich und offen über unsere Ängste sprechen würden? Würde nicht gar der Tod oder jede schlimme Krankheit etwas von dem Schrecken verlieren, wenn wir einfach mal darüber reden? Es kann ja nun wirklich nichts passieren, nur weil wir miteinander reden. Wir werden uns nicht anstecken. Krebs z.B. ist ja auch schlichtweg nicht ansteckend und trotzdem kam ich mir im letzten Jahr regelmäßig sehr ausgegrenzt vor. Menschen haben zu Boden geschaut, wenn sie meinen kahlen Kopf gesehen haben, sind zurückgeschreckt, wenn ich von meinem Port erzählt habe und immer wieder diese schreckliche Angst überall! Dabei war ich doch diejenige, die wirklich Grund hatte verängstigt zu sein, schließlich war es mein Leben was da grad den Bach runterging. Aber überall konnte ich in vielen Augen die blanke Panik sehen, wenn sie mich anschauten. Es gab in der Zeit nur sehr wenige Menschen, die mir durchweg immer mit dem festen Glauben begegnet sind, dass ich das schaffen werde. In ihren Augen habe ich nie Angst gesehen. Bestimmt hatten sie diese auch, aber sie haben sie in meiner Gegenwart ganz tief in ihrem Innern verschlossen und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar, denn sie haben mir das Vertrauen in meine eigene Kraft gegeben, weil sie niemals an mir gezweifelt und mir dadurch unglaublich viel Mut gegeben haben. Wenn meine Angst zu groß wurde, haben sie mich in den Arm genommen und sind nicht müde geworden mir die schönen Dinge zurück ins Leben zu holen. Was soll ich sagen, eine Umarmung ist so ziemlich das beste Mittel gegen die Angst. Sie berührt unser Herz und auf einmal braucht es gar keine klugen großen Worte, manchmal sind es die Gesten die wirklich was bewegen. Ich bin also durchaus für mehr Umarmungen, mehr Liebe und mehr Herzlichkeit im Leben. Los umarmt Euch! Fangt am besten direkt damit an und für die ganz verwegenen unter Euch, lächelt doch mal wahllos in die Welt. Mir ist gestern wieder einmal ganz extrem aufgefallen wie wenig wir doch lächeln in unserem Alltag und wie überrascht Menschen reagieren, wenn ich sie einfach mal anlächele. Man glaubt es kaum, aber sie freuen sich und die meisten lächeln sogar zurück. Vielleicht fragt ihr Euch jetzt, warum macht sie das und wieso sollen wir das jetzt auch? Ja aber warum eigentlich nicht? Ich hab ja schon erwähnt, dass ich ein Fan bin, egal ob echt oder künstlich herbeigeführt. Lachen ist gut und es vertreibt die Angst und das ist doch eigentlich das Wichtigste und schwups bin ich vom Thema Angst wieder zu meinem Lieblingsthema gekommen! 🙂

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Der Unterschied zwischen den beiden Lachen ist mehr als deutlich sichtbar, aber ein Lachen ist ein Lachen…
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Meine Teetasse hat auch etwas dazu zusagen. 🙂

 

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