Wo die Energie so hinfließt…

Seit Monaten beschäftige ich mich immer wieder damit, was genau ich jetzt in meinem Leben ändern möchte. Denn das sich etwas ändern muss, das steht für mich seit meinem Zusammenbruch im Frühjahr außer Frage. Eigentlich war auch ganz schnell klar, dass ich irgendetwas mit Sport machen möchte und dass ich gerne etwas von dem was mir während meiner Krankheit geholfen hat, weitergeben möchte. Sportgruppen für betroffene Frauen, das hört sich für den Anfang doch ganz gut an oder? Über den Sommer hat sich dann herauskristallisiert, dass Yin Yoga auch mit in mein neues Leben eingebaut werden soll aber anstatt einfach mal loszugehen, habe ich immer wieder gezögert, auf Unterstützung von Ämtern gewartet und mir ganz viele Gründe überliegt, wieso ich nicht jetzt sofort einfach mal loslegen kann. Kennt ihr dieses Phänomen, also dass man „Ausreden“ oder „gute Gründe“ findet, wieso man etwas NICHT tun kann? Ich habe das tatsächlich sehr häufig und in allen möglichen Lebenslagen gemacht. Was irgendwie immer zu so einer Art Schockstarre geführt hat. Anstatt einfach loszulegen mit den Dingen, die mir Spaß machen, habe ich innerlich jede Menge Kämpfe gefochten um herauszufinden, was genau jetzt das Richtige ist. Irgendwie habe ich versucht den Weg meines Herzens mit dem Kopf zu gehen. In den letzten Wochen ist mir aufgefallen, wie unglaublich verrückt und kontraproduktiv das eigentlich ist. Mit der Energie ist das ja nämlich so eine Sache, sie fließt dorthin wo wir sie hinlenken und in dem Fall waren es jede Menge Zweifel die immer mehr Futter bekommen haben. Nehmen wir mal den Schluckauf als Beispiel, ich glaub das kennen wir alle. Wenn wir verzweifelt die Luft anhalten um ihn loszuwerden, haben wir meist keine Chance. Lenkt uns aber jemand ab von dem Hickepick, dann ist er recht schnell auf wundersame Weise verschwunden. Dieser Trick funktioniert bei mir in ganz vielen Lebenslagen. Natürlich kann ich damit nicht alles wegzaubern, aber es ist überraschend wie viel man dann doch selbst lenken kann. Naja ich gebe zu, dass ich da auch durchaus noch Luft nach oben habe und mir dieser recht simple Trick auch nicht immer gelingt. Aber wieso ist das bloß so? Wieso neigen viele Menschen dazu, immer wieder Gründe zu finden, um etwas nicht zu tun bzw. wieso richten wir so gerne unseren Blick immer auf das Schmerzliche oder die negativen Erfahrungen? Während meiner Chemotherapie habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, mir darüber Gedanken zu machen wie sehr meine Ausdauer und meine Fitness nachgelassen haben. Ja, ich weiß, dass ich eigentlich andere Sorgen hatte, aber im Endeffekt war es wohl einfacher hierüber zu schimpfen als über die Gesamtsituation. Wie auch immer, anstatt, dass ich mich freue, dass ich alle 2 Wochen so fit bin, dass ich in den Park sporteln kann, habe ich mich mehr darüber geärgert, dass meine Kondition extrem abgebaut hat und meine Burpees nicht mehr schön aussehen. Damit die Sache noch wilder wurde, habe ich mich gerne mit gesunden Menschen verglichen und war traurig und wütend, wenn ich da nicht mithalten konnte. Totaler Schwachsinn oder? Würde ich heute auch so sagen, aber trotzdem habe ich vor ein paar Wochen noch darüber berichtet, wie schwer es mir fällt einfach ganz entspannt und locker wieder mit dem Lauftraining anzufangen. Das mit dem Energielenken scheint in der Praxis doch irgendwie schwieriger zu sein. Für den Anfang habe ich nun denn also erst einmal mit Kleinigkeiten angefangen. Das Wort „Problem“ habe ich komplett aus meinem Wortschatz gestrichen, ich kenne nur noch „Herausforderungen“ und so simpel wie das auch klingen mag, aber es hilft mir ungemein. Herausforderungen sind deutlich angenehmer zu handhaben als Probleme, die wirken irgendwie immer direkt abschreckend und gerne unlösbar.

Und trotzdem habe ich in den letzten Wochen immer wieder Gründe dafür gefunden, wieso ich mein neues Leben nicht sofort in Angriff nehmen kann. Gut, der Tinitus und die Thrombosenarbe sind jetzt nicht mal eben wegzureden aber mein Piepen hatte ja z.B. auch irgendwie einen großen Anteil an meiner Energieerkenntnis. Das ist nämlich meistens auch viel lauter, wenn ich Ruhe habe und ihm meine ganze Aufmerksamkeit widmen kann und mit meinem Bein ist es ähnlich. Manchmal warte ich schon drauf, dass es anfängt zu schmerzen und welch Überraschung, wenn es meinem „Wunsch“ dann auch nachkommt. Aber gut, es wäre jetzt auch zu schön, wenn sich mal eben so alles ändert nur weil man den Entschluss gefasst hat. Wie bei allem steckt hier auch eine gewisse Hingabe an den Prozess dahinter und es gibt halt einfach Tage, da fällt man in seine alten Muster zurück und ach da ist sie dann auch schon wieder, diese fiese kalte Angst. Still und heimlich hat sie sich aus ihrer Kiste geschlichen und erklärt mir wieder, wieso es so viel besser ist, wenn ich nichts ändere und einfach mal ganz ruhig abwarte, so wie immer. Vor einem halben Jahr hatte sie mich noch komplett in ihrem Griff. Ich habe geweint und mich tagelang zuhause verschanzt. Das Leben erschien mir als viel zu gefährlich und wenn ich mal keine Angst hatte, dann war ich so unglaublich wütend darauf, dass ausgerechnet mir das jetzt alles passieren muss und schon wieder liefen diese heißen Tränen der Wut meine Wangen hinunter. Heute weine ich nicht mehr ganz so häufig und wenn sie raus will, sage ich meiner Angst kurz mal Hallo, nehme sie war und schiebe sie dann wieder lächelnd in ihre Kiste zurück. Meine Wut versuche ich auch nicht mehr zu unterdrücken, der Boxsack in unserem Wohnzimmer soll ja schließlich auch seine Berechtigung haben und ja manchmal schreie ich auch dabei. Manchmal hilft es aber auch, wenn ich mich auf mein Kissen setze, meditiere oder Yin-Yoga übe. Mittlerweile habe ich gelernt zu verstehen, was genau meine Seele benötigt um sich zu entfalten und genau das bekommt sie dann auch und manchmal ist es eben auch einfach mal eine Runde weinen. Lange habe ich hier mit mir gehadert und verzweifelt versucht meine Traurigkeit loszulassen, damit ich endlich nicht mehr weinen muss. In meiner letzten Yin Yoga Stunde ist mir dann bewusst geworden, dass auch dieses Gefühl zu mir gehört und eben gefühlt werden möchte. Tränen können ja sogar sehr befreiend sein und wenn man einmal Rotz und Wasser geheult hat, dann fühlt man sich ja auch angenehm frisch danach. Wieso also nicht einfach mal dieses Gefühl annehmen wie das Lachen und die Fröhlichkeit auch? Gut, eine zeitlang habe ich recht viel geweint aber genau genommen, gab es da ja durchaus auch einfach jede Menge zu betrauern. Also, raus damit, Gefühle wollen gefühlt werden und gehören einfach zu uns. Und irgendwie bringen mich meine Gefühle ja auch immer weiter. Die letzten Wochen habe ich mir wie gesagt den Kopf zerbrochen wohin meine Reise jetzt gehen soll. Mehr in den Fitness-Bereich oder doch lieber ins Yoga? Ehrlich gesagt hat mich diese Entscheidung fast zerrissen, weil ich sie einfach nicht treffen konnte. Ich konnte und wollte mich nicht für eines entscheiden aber irgendwie dachte ich, dass ich das müsse. Verrückt aber so war es und dann werde ich morgens wach und mir ist klar, dass beides zu mir gehört und ich mich eben nicht entscheiden, sondern einfach nur losgehen muss.

Für mich ist es endlich auch völlig ok, dass es manchmal die Trommeln sind die mich erden oder das ruhige, fließende Yin Yoga und dann eben auch mal das Boxen oder das Laufen im Regen sowie das Gefühl nass geschwitzt und völlig platt unter die Dusche zu hüpfen mit dem Wissen alles aus mir rausgeholt zu haben. Wieso sollte ich auf eines verzichten? Nun freue ich mich also von Herzen auf meine Yin Yoga-Ausbildung im nächsten Jahr UND auf meine Personal-Trainer-Lizenz. Mal sehen wohin genau mein Weg mich dann führt, aber es fühlt sich großartig an endlich loszulaufen und darauf zu vertrauen, dass schon alles werden wird, wenn ich nur meine Energie auf all die Dinge lenke, die ich so gerne machen möchte, egal ob sie oberflächlich betrachtet zueinander passen oder nicht. Schon verrückt, da habe ich mir den halben Dezember den Kopf zerbrochen und dabei hätte ich doch eigentlich nur auf mein Herz hören müssen. Aber gut, ich lerne ja noch.

20170608_151002
… glücklich sein ist der Weg! 🙂

 

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